SYNTHETISCHER MUSTERFALL · MUSTER-02

Metastasiertes kolorektales Karzinom

MSS/pMMR · KRAS G12V · Lebermetastasen · 62 Jahre · männlich · ECOG 1

Demonstrationsfall: keine reale Person und kein dokumentierter Behandlungserfolg. Der Fall zeigt den Umfang einer strukturierten Evidence-Analyse für die ärztliche Diskussion.

1. Klinischer Verlauf

  • Sigmakarzinom nach onkologischer Resektion; Adenokarzinom.
  • Sechs Monate später mehrere Leberläsionen; Resektabilität noch nicht abschließend geklärt.
  • Keine systemische Therapie im metastasierten Setting vor der aktuellen Entscheidung.

2. Diagnostik & Biomarker

  • MSS/pMMR bestätigt; KRAS G12V; BRAF V600E negativ.
  • HER2 ohne Amplifikation; NTRK-Fusion negativ; breites NGS dokumentieren.
  • CEA als Verlaufsmarker zusammen mit kontrastverstärkter Bildgebung.
  • Blutbild, Leber-/Nierenfunktion und DPYD-Status vor Fluoropyrimidintherapie.
  • Beispiel TBNK: CD3 1.140/µl, CD4 620/µl, CD8 430/µl, B-Zellen 165/µl, NK 310/µl; ausschließlich als synthetische Demonstrationswerte und mit Laborreferenzen zu interpretieren.
  • CTC: Baseline 34 EpCAM-positive Zellen/ml, Monat 3: 18/ml. Der Rückgang wird als explorativer Verlauf dokumentiert, nicht als Ersatz für RECIST/Bildgebung.

3. Evidence Interpretation

Validierte prädiktive/prognostische Befunde werden von ergänzender Diagnostik getrennt. Immunstatus und CTC können Kontext liefern, ersetzen aber nicht Pathologie, molekulare Biomarker oder Bildgebung.

  • KRAS G12V ist für die Auswahl zielgerichteter Standardstrategien relevant; eine übliche Anti-EGFR-Strategie ist bei RAS-Mutation nicht angezeigt.
  • MSS/pMMR macht Checkpoint-Monotherapie ohne weitere qualifizierende Biomarker in der Regel nicht zur Standardoption.
  • Die Lebermetastasen müssen früh interdisziplinär auf Resektion, Ablation oder Konversionsstrategie geprüft werden.
  • Der CTC-Verlauf kann Hypothesen zum Verlauf ergänzen, darf aber nicht als alleiniger Wirksamkeitsnachweis interpretiert werden.

4. Optionen für die fachliche Diskussion

  • Systemische Erstlinientherapie mit Fluoropyrimidin/Oxaliplatin- oder Irinotecan-basiertem Backbone plus geeigneter biologischer Therapie nach Board-Entscheid.
  • Bei hoher Tumorlast und guter Fitness kann eine intensivere Kombination diskutiert werden.
  • Lokale Lebertherapie/Resektion bei technischer und onkologischer Eignung.
  • Spätere Linien einschließlich Trifluridin/Tipiracil + Bevacizumab nach passender Vortherapie.
  • Keine DZT als Standardtherapie.

5. Evidence Matches - konkrete Studien

SUNLIGHT

Quelle: Prager GW et al. Trifluridine-Tipiracil and Bevacizumab in Refractory Metastatic Colorectal Cancer. N Engl J Med. 2023;388:1657-1667. DOI 10.1056/NEJMoa2214963.

Population: Vorbehandeltes refraktäres metastasiertes kolorektales Karzinom.

Kernaussage: FTD-TPI + Bevacizumab verlängerte das Gesamtüberleben gegenüber FTD-TPI allein.

Match zum Musterfall: Relevant als spätere Therapielinie, nicht als Erstlinienbegründung dieses Musterfalls.

Limitation: Die aktuelle Situation ist therapienaiv im metastasierten Setting; daher nur Sequenz-Evidence.

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Molekulare Stratifizierung

Quelle: Leitlinienbasierte mCRC-Entscheidungen nutzen RAS/BRAF, MSI/MMR, HER2 und weitere Marker zusammen mit Primärtumorlokalisation, Resektabilität und Vortherapie.

Population: Metastasiertes kolorektales Karzinom.

Kernaussage: Biomarker verändern die Auswahl zielgerichteter und immunonkologischer Optionen.

Match zum Musterfall: MSS/pMMR + KRAS G12V sind im Musterfall zentrale negative/positive Selektionsmerkmale.

Limitation: Leitlinienstand und regionale Zulassung müssen im Live-Report aktuell recherchiert werden.

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6. Evidence Gaps

  • Leber-MRT/CT und chirurgische Resektabilitätsbeurteilung.
  • Vollständiges NGS und Primärtumorlokalisation.
  • DPYD und vollständige Organfunktion.
  • Definition, Methode und analytische Validität der CTC-Messung.

7. DZT / immunologischer Kontext

Keine DZT als Standard. Ein immunologischer Zusatzansatz wäre nur experimentell/studienbezogen zu diskutieren.

8. Fragen für Tumorboard / behandelndes Team

  • Sind alle therapieentscheidenden Originalbefunde vollständig, aktuell und methodisch nachvollziehbar?
  • Welche der genannten Studienpopulationen entspricht der konkreten Vorbehandlung und Erkrankungssituation - und wo bestehen Abweichungen?
  • Welche Organfunktionen, Komorbiditäten, Begleitmedikationen und Toxizitätsrisiken verändern die Auswahl?
  • Welche Befunde sind klinisch validiert und welche ergänzend/explorativ?
  • Welche Evidenzlücken sollten vor der nächsten Therapieentscheidung geschlossen werden?
Clinical Review Required: Medical Evidence AI erstellt eine strukturierte Evidenzaufbereitung als Grundlage für die fachliche Diskussion. Der Musterreport ist keine Diagnose, keine Verordnung und keine individuelle Therapieanweisung. Therapieentscheidungen verbleiben beim behandelnden medizinischen Fachpersonal/Tumorboard. Zulassungsstatus, Leitlinien und Studienverfügbarkeit müssen im Live-Fall aktuell geprüft werden.
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